Fotos: Feldmann, Milerski
Kennzeichen:
Die Graue Gehörnte Heidschnucke ist von der Abstammung und vom Aussehen her eng verwandt mit anderen nordeuropäischen Schafrassen, wie z.B. dem Gotlandschaf. Sie wird in die Rassegruppe der „Nordischen Kurzschwanzschafe“ eingeordnet. Die Graue Gehörnte Heidschnucke hat ein graues bis dunkelgraues, mischwolliges Vlies mit schwarzem Brustlatz, sowie schwarze kurze Haare an Kopf, Schwanz und Beinen. Der Kopf ist länglich und keilförmig und die Ohren stehen schräg aufwärts. Das Fundament ist fein und trocken und die Klauen sind hart. Sowohl die Böcke als auch die Mutterschafe sind behornt. Während die Hörner der Böcke im Querschnitt dreieckig sind und in Windungen nach außen gebogen, haben Mutterschafe zierlichere Hörner mit einem elliptischen Querschnitt. Ihre Hörner sind nach hinten gebogen. Die Lämmer werden mit einem schwarzen, gelockten Fell geboren und färben sich im Laufe der ersten zwei Lebensjahre von schwarz über braun zu grau um. Die Grauen Gehörnten Heidschnucken sind innerhalb der Gruppe der Heidschnucken (Graue Gehörnte Heidschnucke, Weiße Gehörnte Heidschnucke, Weiße Hornlose Heidschnucke / „Moorschnucke“) die größte Rasse, gehören aber in der Gesamtgruppe der Schafe in die Abteilung der sogenannten „mittelrahmigen“ Rassen. Die Widerristhöhe beträgt 70 – 75 cm (Böcke) bzw. 65 – 70 cm (Muttern).
Verbreitung:
Ursprünglich ausschließlich auf den trockenen und nährstoffarmen Flächen der Lüneburger Heide. Hier liegt auch heute noch der Schwerpunkt der Zucht, jedoch sind die Bestände mittlerweile deutschlandweit verteilt.
Herkunft:
Die Graue Gehörnte Heidschnucke gehört zu den Landschafrassen mit einer langen Tradition in der Lüneburger Heide. Nach heutigem Kenntnisstand wurden die Heidschnucken aus dem Europäischen Wildschaf, dem Mufflon (Ovis – gmelini musimon) domestiziert. Bis weit in das 19. Jahrhundert wurden die Grauen und Weißen, Gehörnten und Hornlosen Heidschnucken als eine Rasse betrachtet. Erstmals erwähnt wurden sie Ende des 18. Jahrhunderts. Die Nahrung der Heidschnucken bestand ausschließlich aus Heidekraut, das von anderen Schafrassen nur ungern gefressen wurde. Sie wurden auch unter widrigsten Bedingungen im Freien gehalten und mussten sich ihre Nahrung teilweise aus dem gefrorenen Schnee scharren. In der Vergangenheit gab es viele Bemühungen, durch Einkreuzung verschiedener Rassen ein Fleischschaf zu erhalten, da der Schlachtkörper der Heidschnucken aufgrund ihrer geringen Körpergröße nicht sehr ergiebig war. Die Kreuzungsversuche blieben jedoch erfolglos. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sanken die Bestandszahlen der Heidschnucke deutlich. Gründe hierfür waren sinkende Preise für Wolle und Fleisch, sowie die zunehmende Anwendung von Kunstdünger. Dadurch konnten große Heideflächen urbar gemacht werden. Im Jahr 1907 erkannte der Ausschuss für Schafzucht der Landwirtschaftskammer Hannover zwei Herden der Grauen Gehörnten Heidschnucke als Eliteherden an. Außerdem stiegen die Bestandszahlen der Heidschnucke im Ersten Weltkrieg wieder an. Ein erstes Zuchtbuch für die Graue Gehörnte Heidschnucke entstand im Jahr 1930. Ab diesem Zeitpunkt erfolgte die Zucht der Grauen Gehörnten Heidschnucken als eigene Rasse. Einen weiteren Aufschwung erlebten die Heidschnucken nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Bestände stiegen und es gründete sich der Verband der Lüneburger Heidschnuckenzüchter e.V. im Jahr 1949. Obwohl ein neues, fortschrittliches Zuchtziel formuliert wurde, ging die Heidschnuckenzucht schon bald wieder zurück. In der Folge breiteten sich Nadelbäume in der Heide aus, die dadurch ihr typisches Landschaftsbild verlor. Der spätere Anstieg der Heidschnuckenpopulation lässt sich v.a. auf das Bestreben, die Heidelandschaft zu erhalten, zurückführen. Aber auch Hobbyschafhalter interessierten sich zunehmend für die Heidschnucken, wodurch Zuchtbestände in ganz Deutschland und in den Nachbarländern aufgebaut werden konnten.
Eigenschaften/Leistung:
Die Graue Gehörnte Heidschnucke eignet sich besonders gut für die Landschaftspflege. Durch den Verbiss von Heidekraut und Nadelbaumanflug sind sie unverzichtbar für den Erhalt des typischen Charakters der Lüneburger Heide. Während bei vielen Wirtschaftsrassen weltweit heute eine maximale Fleischleistung das wichtigste Zuchtziel ist, gehört bei den Grauen Gehörnten Heidschnucken nach wie vor die „Leichtfuttrigkeit“ zu den wichtigsten Merkmalen. Die Schafe sollen vor allem von Heidekraut und den Gräsern und Kräutern von Extensivgrünland satt und nur im Winter zugefüttert werden. Ein wichtiges Zuchtziel für die Grauen Gehörnten Heidschnucken ist bis heute die sogenannte „Marschtauglichkeit“, weil die Tiere täglich von den Ställen viele Kilometer in die Weidegründe gehütet werden und abends wieder auf den Hof zurückkommen. Ein korrekter Körperbau und harte Klauen, ein gutes „Fundament“, sind wichtig bei der Auswahl der Zuchttiere. Sie gelten als anspruchslos und widerstandsfähig. Die Heidschnuckenmuttern sind saisonal brünstig, d.h. sie sind nur für wenige Wochen im Herbst empfängnisbereit und bringen ihre Lämmer zum Ende des Winters, bzw. Beginn des Frühjahres zur Welt. Die Erstzulassung erfolgt im Alter von 10 bis 18 Monaten. Im Durchschnitt wird ein Ablammergebnis von 100 bis 120 % erreicht. Das Vliesgewicht liegt bei 2,5 - 3,0 kg (Böcke) bzw. 1,7 - 2,5 kg (Muttern). Die Wolle hat eine Feinheit von 38 bis 39 Mikron. Das äußere Vlies besteht aus grobem Oberhaar und das innere Vlies aus feinerem, weichem Unterhaar. War die Wolle bis ins 19. Jahrhundert hinein noch ein begehrter Rohstoff, so ist sie heute nur noch ein Nebenprodukt. Der Wert der Rohwolle deckt i.d.R. nicht die Schurkosten. Heidschnuckenwolle kann zu Filzprodukten oder Düngepellets verarbeitet werden, in kleinerem Umfang werden auch Strickwolle und Textilien daraus hergestellt. Die Jährlingsböcke erreichen ein Körpergewicht von 60 – 80 kg und die Jährlingsschafe ein Gewicht von 35 – 45 kg. Mutterschafe wiegen zwischen 45 und 55 kg und Altböcke zwischen 75 und 90 kg. Das rassetypische Geburtsgewicht beträgt bei Einlingen 4 kg und bei Mehrlingen 3 kg. Die Tageszunahmen der Schlachtlämmer befinden sich im Bereich von 180 – 230 g und das handelsübliche Mastendgewicht beträgt 30 – 38 kg. Das Fleisch ist fettarm und gilt wegen seiner Zartheit und des wildartigen Geschmacks als Delikatesse. Zur Förderung der Vermarktung hat der Verband der Lüneburger Heidschnuckenzüchter 1981 ein eingetragenes Warenzeichen, eine sog. „geschützte Ursprungsbezeichnung“ geschaffen, um die Vermarktung zu unterstützen. Neben dem Fleischertrag gehören sogenannte „Ökosystemdienstleistungen“, wie die Pflege von Naturschutzgebieten und die Erhaltung schöner Erholungslandschaften heute zu den wichtigsten Einnahmequellen von Heidschnucken-Schäfereien.
Besonderheiten:
Die Grauen Gehörnten Heidschnucken wurden über Jahrhunderte in der Lüneburger Heide von Schäfern auf den offenen Heideflächen gehütet und nachts aufgestallt. Der Mist der Schnucken war ein sehr wertvolles Gut für den Ackerbau auf den armen, sandigen Böden der Lüneburger Heide. Die Schnucken haben als Teil der historischen Heidebauernwirtschaft die Landschaft geprägt und sind bis heute die wichtigsten Landschaftspfleger beim Erhalt einer einmaligen Kulturlandschaft. Die gewaltigen, gedrehten Hörner der Heidschnuckenböcke werden in der Lüneburger Heide vielfach als Wappen und die Heidschnucken als Symboltiere dargestellt.
Bestand:
Kontakt
Weiterführende Informationen:
Graue Gehörnte Heidschnucke (Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)
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