Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)
The Society for the Conservation of Old and Endangered Livestock Breeds (GEH)
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Foto: Antje Feldmann

 

Kennzeichen:

Die mittelrahmigen, gescheckten, getigerten oder mohrenfarbigen Ansbach-Triesdorfer werden als Farbvariante des Fleckviehs geführt. Die Tiere haben sehr harte, meist dunkle Klauen sowie weit nach außen und hinten gestellte Hörner mit schwarzer Spitze. Kopf, Flotzmaul und Unterbeine sind weitgehend pigmentiert. Kühe wiegen 700 kg bei einer Widerristhöhe von 140 cm, Bullen wiegen 1.100 kg bei einer Widerristhöhe von 150 cm.

Verbreitung:

Vorwiegend im ehemaligen Hauptzuchtgebiet Mittelfranken.

Herkunft:

Im Raum Ansbach existierten fränkische Landschläge, die als braunes, rotes Landvieh z.T. mit Blesse auftraten. Im Jahr 1740 ließ Markgraf Carl Wilhelm Friedrich zum Aufbau einer „Holländerei“ (Milchwirtschaft) sechs schwarz-weiße Niederungsrinder aus Holland und 25 friesische Niederungsrinder zu der markgräflichen Sommerresidenz Triesdorf bringen. Die Nachzucht wurde teilweise an die Bauern abgegeben, die diese Tiere mit ihrem Landvieh kreuzten. So vermischte sich erstmals das mittelfränkische Landschlagsblut mit Niederungsblut. Der letzte Markgraf von Ansbach, Karl Friedrich Alexander, ließ bereits im ersten Jahr seiner Regierung einen Transport friesischer Bullen sowie männlicher und weiblicher Rinder aus dem Berner und Freiburger Oberland sowie aus dem Simmental nach Ansbach durchführen. Das Ansbach-Triesdorfer Rind ist also aus der Kreuzung von Landschlag, Niederungsrind und Höhenvieh entstanden. In den Jahren 1792 bis 1806 wurde zudem einfarbig graues bis schwarzbraunes Gebirgsvieh aus dem Berner Unterland eingekreuzt.
Durch drei Seuchenzüge in 1796, 1800 und 1849, die als Lungenseuchen auftraten, ging ein Großteil des Bestandes in Triesdorf verloren. Der Bestand konnte sich nur durch wiederholte Einfuhren von ostfriesischem Niederungsvieh und von Höhenvieh aus dem Simmental sowie Einkreuzungen in die vorhandenen Landschläge erholen. Die Ansbach-Triesdorfer Rinder zeigten Mitte des 19. Jahrhunderts eine weiße Farbzeichnung mit rötlichen oder schwarzen Flecken. Weiter traten getigerte Tiere und Rot- sowie Schwarzschecken auf. Infolge der Entstehungsgeschichte waren die Tiere verschiedenartig und fielen teils in Form- und Farbgebung in den Typ des Höhen- oder Niederungsrindes. Neben der Milchleistung beeindruckte vor allem das Arbeitsvermögen der Tiere. Es wird berichtet, dass Ansbach-Triesdorfer Kühe zu zweit landwirtschaftliche Fahrzeuge und Geräte gezogen haben, für die sonst vier Tiere benötigt wurden. Die Hartklauigkeit ließ das Arbeiten der Tiere ohne Hufbeschlag auch auf den mit Lesesteinen befestigten Feldwegen zu. Die Vorzüge der Ansbach-Triesdorfer Rinder führten in den Jahren von 1860 bis 1880 zu einer Ausbreitung der Rasse über Mittel- und Unterfranken hinaus, sodass auch Tiere in Oberfranken und Nordschwaben gehalten wurden. In der Hochzucht um 1896 existierten etwa 190 000 Ansbach-Triesdorfer Tiere. Weiter fanden Exporte des Ansbach-Triesdorfer Rindes nach Frankreich und England statt.
Durch das Körgesetz von 1888, das mit der erzwungenen Reinzucht der Ansbach-Triesdorfer nur noch rein getigerte Tiere zuließ, fand eine wesentliche Veränderung in der Zucht statt. Der reine Tigertyp ist in dieser Kreuzungsrasse genetisch die Ausnahme, d.h. eine Zufallsvariante. Die Anforderungen der „Reinzucht" verringerten damit schlagartig die Zuchtbasis.
Mit der Entwicklung und Einführung von Landmaschinen nahm die Bedeutung der Arbeitsleistung immer stärker ab. Weiter setzte bereits die Zucht des Zweinutzungsrindes ein. Die züchterischen Schwierigkeiten bestimmten immer stärker den Fortbestand der Zucht, da insbesondere gute Bullen fehlten. Die Gemeinden stellten in ihren Bullenhaltungen immer mehr Simmentaler-Fleckviehbullen auf. Als letztes Mittel wurde mit In- und Inzestzucht versucht, der „Reinzucht" gerecht zu werden. Ab 1919 wurde die Zucht der Ansbach-Triesdorfer nur noch von Kleinbauern betrieben. Von 1906 bis 1925 verringerte sich die Anzahl von ca. 90.000 auf nur noch 2.500 Tiere. 1930 wurden keine Bullen mehr der Körung zugeführt. Auf Anregung eines Bezirksrats wurde 1987 vom Tierzuchtamt Ansbach geprüft, in welchen Betrieben noch Rinder stehen, die der Ansbach-Triesdorfer Rasse ähnlich sind. Reinrassige Tiere wurden nicht mehr gefunden. Da die Ansbach-Triesdorfer als Farbvariante des Fleckviehs angesehen werden, wurden die farblich passenden Tiere, die vom üblichen Erscheinungsbild des Fleckviehs abwichen, zum Wiederaufbau der Population genommen.

Eigenschaften und Leistung:

Beim Ansbach-Triesdorfer Rind handelt es sich um eine Zweinutzungsrasse mit gleicher Betonung von Milch und Fleisch. Bei guter Mastfähigkeit beträgt die Jahresmilchmenge 6.500 kg mit 4% Fett und 3,5% Eiweiß.

Besonderheiten:

Ausgehend von ihrer Entstehungsgeschichte wird die Rasse Ansbach-Triesdorfer Rind als offene Zuchtpopulation und als Subpopulation (Sektion) der Rasse Fleckvieh geführt. Die Tiere in der Doppelnutzung werden im Herdbuch für Fleckvieh nach dessen Regeln mit der Sektionskennung „TR“ als Namenszusatz eingetragen.

Aktuelle Situation:

Seit 1989 erfolgt von Mitgliedern der GEH die Betreuung der Rasse und 1992 wurde der „Verein zur Erhaltung des Ansbach-Triesdorfer Rindes e.V." gegründet. Fortan wird die Rasse in einem Kreis von engagierten Landwirten weitergezüchtet. Es sind noch 25 unabhängige Kuhlinien vorhanden, die deutliche Merkmale der Ansbach-Triesdorfer erkennen lassen. Schwieriger gestaltet sich die männliche Linienvielfalt. Die Erhaltung der kleinen Population gestaltet sich äußerst schwierig, da durch die Häufung von männlichen Kälbern und geringen Erfolgen mit Embryo-Transfers die Zuchtbasis nur begrenzt erweitert werden konnte. Trotzdem waren die Bemühungen erfolgreich. Von ca. 30 Tieren in ca. 10 Betrieben im Jahr 1992 konnte der Bestand bis zum Jahr 2018 auf 138 anerkannte Kühe und fünf Bullen in insgesamt 42 Betrieben (ohne Mutterkuhbetriebe und Milchviehbetriebe außerhalb Bayerns; da es dort noch keine Herdbücher gibt, fehlt eine entsprechende Anerkennung der Rinder) ausgebaut werden. Aber auch damit ist die Rasse weiterhin extrem gefährdet, zumal die meisten Tiere in kleineren Milchviehbetrieben stehen, die nach und nach mit der Milchwirtschaft aufhören. 2023 gab es 281 anerkannte Kühe und 14 anerkannte Bullen.

Ansbach Triesdorfer 2023

 

Kontakt

 

Weiterführende Informationen:

Das Ansbach Triesdorfer Rind  (aus: Gefährdete Rinderrassen, GEH, 2016)

Ansbach-Triesdorfer  (Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)

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