Fotos: Beate Milerski

 

Ursprung und Geschichte:

Das Ursprungsland des Merinofleischschafes ist Spanien. Ihren Namen erhielten sie vom Berber-Stamm der Ber–Merines, die im 12. Jahrhundert von Nordafrika nach Spanien zogen und die Vorfahren der Merinos – westasiatische Wollschafe - mit sich brachten. Diese spanischen Schafe bildeten die Zuchtgrundlage für das Merinofleischschaf. Insbesondere während der Regierung Peters von Aragon (1239 bis 1285) erfuhr die Zucht der Rasse eine starke Förderung.

Ab Ende des 15. Jahrhunderts wurden den Schafherden in den südlichen Provinzen Spaniens besondere Weiderechte eingeräumt. Mit den Herden wurden jährlich weite Wanderungen durchgeführt. Aus diesem Grund wurden sie Ovejas merinos („Wanderschafe“) genannt. Durch ein strenges Ausfuhrverbot für Schafe wurde Spanien über Jahrhunderte hinweg eine Monopolstellung auf dem Sektor der Wollproduktion garantiert.

Erst im 18. Jahrhundert gelangten Merinoschafe zur Verbesserung der Wollleistung auch in andere Länder Europas. So wird das Jahr 1765 als das Gründungsjahr der deutschen Merinozucht angesehen. Zu dieser Zeit importierte das Land Sachsen erstmalig spanische Merinos (92 Böcke und 128 Zibben) und züchtete sie in Reinzucht weiter oder benutzte Vatertiere dieser Rasse zur Verbesserung der Wollqualität ihrer Nachkommen bei Kreuzung mit Mutterschafen einheimischer Landschafrassen. Eine nachhaltige Förderung erhielt die sich entwickelnde Merino-Feinwollzucht durch die Gründung der Schäfereischule in Stolpen im Jahr 1768 und durch weitere Importe aus Spanien. Im Ausland waren diese sächsischen Wollen sehr begehrt. Von den Engländern wurde sie als Elektoral – (kurfürstliche) Wolle bezeichnet, woraus der Name „Elektoralschaf“ entstand. Insbesondere ALBRECHT THAER (1752-1828) beeinflusste die Entwicklung der preußischen Schafzucht mit seiner züchterisch hochstehenden Herde in Möglin (Westrand des Oderbruchs). Neben Tieren aus den spanischen und französischen Importen kamen Elektorals (Sachsen) und Negrettis (Österreich) zum Einsatz. Er züchtete das Deutsche Edelschaf und legte damit die Grundlage für die spätere Merinokammwoll–Schafzucht.

Das heutige Merinofleischschaf entstand im Wesentlichen aus deutschen Merinos unter Einkreuzung französischer Merino-Kammwollschafe sowie englischer Zweinutzungsrassen. Ab dem zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts war es die bestimmende Schafrasse in den Gebieten östlich der Elbe. Diese Region wurde Anfang der 1940er Jahre als „Merinogebiet“ bezeichnet, da 93 % aller gehaltenen Schafe dieser Rasse angehörten. Nach dem II Weltkrieg wurde das Merinofleischschaf in Ostdeutschland in der Zuchtrichtung Wolle/Fleisch gezüchtet und bildete die dominierende Schafrasse in der DDR (72 %). In Westdeutschland wurde in der Zucht die Fleischleistung und die Fruchtbarkeit betont. Unter den marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der BRD hatte das Merinofleischschaf Schwierigkeiten, sich unter den intensiven Wirtschaftsrassen zu behaupten (hohe Lohnkosten, Entstehung reiner Marktfruchtbetriebe, zunehmende Bedeutung des Merinolandschafes), so dass sich sein Anteil am Gesamtschafbestand von 9,7 % (1956) auf 0,9 % (1988) verringerte. Nach der Wiedervereinigung wurde bereits 1992 ein gemeinsames Zuchtziel für diese Rasse für verbindlich erklärt, in dem die Mast- und Schlachtleistung der Lämmer und die Fleischleistung bei den Eltern dominiert. Der festgestellte Rückgang dieser Rasse unter marktwirtschaftlichen Bedingungen vollzog sich nun auch von 1990 – 2006 in den neuen Bundesländern.

Eigenschaften und Verbreitung:

Keine andere Rasse vereint so gelungen die Lieferung feinster Wolle mit betonter Fleischleistung wie das Merinofleischschaf. Nicht länger anhaltende Regenfälle überstehen Merinofleischschafe gut, weil ihr dichtes, geschlossenes Vlies, mit der höchsten Anzahl Wollhaare je Flächeneinheit Haut, das Wasser schlecht in den Wollstapel eindringen lässt. Länger anhaltender Dauerregen dagegen ist jedoch speziell in Schurnähe zu vermeiden, weil die nachhaltige Wassereinwirkung zu einer Vliesschädigung führen könnte. Merinofleischschafe sollten deshalb nicht an der Nordsee und in Mittelgebirgslagen gehalten werden.

Verbreitet ist diese Rasse gegenwärtig in Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen sowie Sachsen-Anhalt. Kleinere Zuchttierbestände sind in Bayern und Baden- Württemberg zu finden. Der Hauptbestand der Rasse befindet sich in Sachsen–Anhalt. Obgleich sofort nach der politischen Wende ein Umzüchtungsprozess vom woll- zum fleischbetonten Schaf stattfand, verlor diese Rasse an Dominanz, so dass manche alte Landschafrasse diese traditionelle Wirtschaftsrasse zahlenmäßig überflügelt hat. Ursachen für den Rückgang liegen in den sehr niedrigen Wollpreisen und der geringen Preisdifferenz zwischen feiner und grober Wolle sowie in der erfolgten Einkreuzung von Fleischschafrassen (z.B. Schwarzköpfiges Fleischschaf). In anderen Ländern sind Merinofleischschafe nach wie vor sehr geschätzt. Exporte fanden nach Russland, Bulgarien, Polen, Ungarn, Schweiz, Rumänien, Spanien sowie nach Südafrika statt. 

Rassemerkmale und Leistung:

Das Merinofleischschaf ist ein mittelgroßes Schaf im Zweinutzungstyp Fleisch-Wolle mit betonter Fleischleistung. Es verfügt über eine große Rumpfbreite und –tiefe. Der Nasenrücken ist leicht gewölbt. Bei einer guten Bauchbewollung reicht der Wollbesatz seitlich am Kopf bis zur Linie der Tränengruben und an den Beinen bis zu den Vorderfußwurzelgelenken. Die dichte weiße Wolle weist eine Wollfeinheit von 22 bis höchstens 28 Mikron auf (A- bis A/B-Feinheit). Der Kopf ist meistens hornlos, mittelbreit mit ausgeprägtem Geschlechtstyp. Die Ohren sind mittelgroß und derb. Bei einer Widerristhöhe von 75 bis 90 cm werden die Altböcke 120 bis 140 kg schwer, die Mutterschafe erreichen bei einer Größe von 70 bis 85 cm ein Gewicht von 70 bis 80 kg. Das Ablammergebnis beträgt 150 bis 220%. Das jährliche Schurgewicht der Böcke schwankt zwischen 5,0 und 8,0 kg und das der Mutterschafe zwischen 4,0 und 6,0 kg. Die Schafrasse verfügt über eine hohe Fruchtbarkeit mit ausgeprägter Asaisonalität. Sie ist widerstandsfähig, froh- und fleischwüchsig. Darüber hinaus liefert sie die beste Wollqualität aller deutschen Rassen. Durch die asaisonale Brunst und die gute Schlachtkörperausbildung eignet sich das Merinofleischschaf sehr gut zur Lämmermast bei verkürztem Ablammrhythmus. Im Alter von 8 bis 12 Monaten können weibliche Jungschafe das erste Mal bedeckt werden, wenn sie 2/3 der Körpermasse ausgewachsener Mutterschafe aufweisen. Der breite Rücken und die gute Bemuskelung weisen auf eine starke Fleischleistung hin. Innen- und Außenkeule sollten ebenfalls gut bemuskelt sein. Bei besten Schlachtkörperqualitäten werden tägliche Zunahmen von 350 bis 440 g, eine Energieverwertung von 35 – 40 MJ je kg Zuwachs und eine Schlachtausbeute von ca. 50 % erreicht.

Es eignet sich besonders für futterwüchsige, trockene Böden in Acker- und Grünlandgebieten, und kann darüber hinaus, dank seiner Konstitution und ausgeprägten Herdentriebes, in allen heute üblichen Haltungsformen (Hüte- und Koppelschafhaltung) einschließlich Landschaftspflege untergebracht werden. Das Merinofleischschaf ist anpassungsfähig und langlebig. Die Säugeleistung der Mutterschafe reicht für die Aufzucht von 2 Lämmern aus. Zuchtziel ist ein Schaf ohne Körperfalten im mittleren bis großen Rahmen mit besonderer Betonung der Bemuskelung an Rücken, Keulen und Schultern und einem Körper in Rechteckformat. Das Fundament, auf dem ein langer breiter Rumpf steht, ist nicht zu fein, trocken und korrekt. Die rein weiße, feine Wolle soll bei  besonderer Dichtheit, einem guten Stapelschluss sowie guter Ausgeglichenheit mit feiner Kräuselung den typischen Merinocharakter zeigen. Seit mehr als einem Jahrzehnt unterliegt das Merinofleischschaf aus wirtschaftlichen Gründen einem starken Verdrängungsdruck. In Zukunft sollte der im Zweinutzungstyp stehenden, fruchtbaren Feinwollrasse gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden, da zum einen gute Exportchancen für Zuchttiere bestehen und zum anderen dem nachwachsenden Rohstoff Wolle unter dem Aspekt der Verknappung und Verteuerung von Rohöl, das eine wichtige Grundlage der gegenwärtigen Textilindustrie bildet, perspektivisch Beachtung gezollt werden sollte. Für den Erhalt eines ausreichenden Populationsumfanges ist eine periodische Überprüfung der Bestandszahlenentwicklung anhand der aktiven Zuchttiere notwendig. Das Merinofleischschaf prägte letztendlich über viele Jahrzehnte das mitteldeutsche Landschaftsbild und sollte als erhaltungswürdiges Kulturgut eingestuft, geschützt und gefördert werden.   

Bestand:

 Merinofleischschaf Bestand 2013

Die Bestandesentwicklung der Merinofleischschafe schwankt beträchtlich, was die GEH 2006 zur Einstufung in den Beobachtungsstatus (BEO) veranlasste.

Herdbuch:

118 Böcke und 7.177 Mutterschafe (2013).

Gefährdungsgrad:

Kategorie III (gefährdet) laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.

Gefährdungskennzahl:

941 GKZ ¹

 

Kontakt

 


Weiterführende Informationen:

¹ GEH-Gefährdungskennzahl GKZ, Ein verbessertes Einstufungsverfahren für den Grad der Gefährdung

Das Merinofleischschaf  (aus: Online-Broschüre Schwerpunkt Schafe, Ziegen, Gebauchshunde, GEH, 2008)

Merinofleischschaf (Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)