Die Cröllwitzer Pute

(Foto: Sigrid Kownatzki und Beate Milerski)

 

Herkunft und Verbreitung:

Aus dem “Großen Geflügelstandard in Farbe” von Horst Marks (1994) erfahren wir, dass die Ahnen unserer zahmen Puten aus Nordamerika, aus den Gebieten der USA und Mexiko stammen: ”Bereits in vorgeschichtlicher Zeit waren gezähmte Wildputen von den Indianern gehalten und gezüchtet worden. Ihr Fleisch war bevorzugt, aus ihren Knochen fertigte man Werkzeuge, aus den Federn Kleidung. Schon 1520 brachten spanische Seefahrer die ersten “Indischen Hühner” mit in ihre Heimat; 1524 gelangten sie nach England, 1533 nach Deutschland. In Venedig waren sie so kostbar, daß der Rat 1557 bestimmte, auf welcher Tafel “Indische Hühner” aufgetragen werden durften. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es bereits am Niederrhein und in Holland Herden von Puten.” Zur Zucht der Cröllwitzer Puten kamen weiße, gestreifte und gescheckte Ronquières-Truthühner zum Einsatz. “Der Direktor und Begründer der ersten staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Geflügelzucht in Halle-Cröllwitz (1900 bis 1920), A. Beeck, gilt als Herauszüchter der Cröllwitzer Pute. In Cröllwitz stand ein großes Gelände in der Größe von 24 Morgen mit drei kleinen Teichen für die Kreuzungsversuche zur Verfügung. Neben den erfolgreichen Versuchen mit Puten gelang Beeck auch die Herauszüchtung des Cröllwitzer Fleisch- und Brathuhns, der Cröllwitzer Wirtschaftsgänse und einiger Entenrassen” (Horst Schmidt, “Groß- und Wassergeflügel”). 1936 wurden Cröllwitzer Puten auf dem Weltgeflügelkongress in Leipzig ausgestellt. In den Vereinigten Staaten führt dieser Farbschlag den Namen Royal Palm.

Beschreibung:

Die folgenden Angaben stammen aus dem Deutschen Rassegeflügelstandard (Jürgens Verlag): Die Hauptfarbe der Cröllwitzer Pute ist weiß. Der Hals ist reinweiß, wobei bei den Althähnen ein leicht gesäumter Hals zulässig ist. An Brust und Rücken beginnend weist jede Feder am Ende einen schwarzen Saum auf, welcher an der Brust mit einem 1 - 2 mm breiten Silbersaum, auf dem Rücken mit einem etwas breiteren weißen Saum abschließt. Beim Hahn ist ein schwarzer Oberrücken zulässig. Beim Hahn wirkt die Brustzeichnung schuppenartig, bei der Henne ist sie nicht so stark ausgeprägt. An Rücken, Schultern, Körperseiten und Schwanzdecken ist die Zeichnung stärker ausgeprägt. Die großen Schwanzdeckfedern und die Schwanzfedern zeigen ein schwarzes Querband mit einem breiten weißen Endsaum. Die Flügelbinden müssen mit einem schwarzen Endsaum abschließen. Die Armschwingen sind weiß, wobei die Außenfahnen am Ende schwarz auslaufen. Die Handschwingen sind schwarzgrau mit weißem Kiel. Die Läufe der Cröllwitzer Puten sind fleischfarbig bis rot.

Eigenschaften und Leistung:

Mast- und Ausstellungspute; die Legeleistung liegt bei 20 - 40 Eiern pro Jahr, mit einem Bruteier-Mindestgewicht von 70 g. Die Schalenfarbe der Eier ist gelbbräunlich mit dunkelbraunen Punkten. Das Gewicht des Cröllwitzer Puters liegt zwischen 7 und 8 kg, die Pute wird 4 bis 5 kg schwer.

Besonderheiten:

Wird aufgrund ihres geringen Gewichtes als „Portionspute“ für den Haushalt bezeichnet. Die Puten gelten als beste und zuverlässigste Brüterinnen und brüten auch die Eier anderer Geflügelarten aus.

Puten sind ursprünglich Steppenvögel, laufen schnell und ausdauernd. Auch die heutigen Putenrassen flüchten noch gerne zu Fuß, laufen über weite Weideflächen, scharren aber nicht mehr. Zum Ruhen fliegen sie gerne auf Bäume. Puten sind weitsichtig, im Nahbereich haben sie jedoch Orientierungsprobleme und finden ausgestreutes Futter nur durch Zufall. Männliche und weibliche Tiere leben - bei viel Platz - nach Geschlechtern getrennt in einer Herde. 

Bestand:

Cröllwitzer Puten Bestand 2013

Nach der letzten Bestandserhebung im Jahr 2013 gibt es 187 männliche und 413 weibliche Cröllwitzer Puten in 136 Zuchten in Deutschland.

Gefährdungsgrad:

Kategorie III (gefährdet) in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.

 

Kontakt


Weiterführende Informationen:


Cröllwitzer Pute  (Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)