Bunte Gruppe Alpiner Steinschafe in der Ramsau
Foto: Aschenbrenner (GEH)

Porträt eines Muttertieres der Rasse Alpines Steinschaf                           Foto: Kessler-Prusko

Attraktiver Bock der Rasse Alpines Steinschaf
Foto: Feldmann (GEH)

 

von Dr. Christian Mendel

 

Das Alpine Steinschaf ist die historische Ausgangsrasse der Bergschafzucht im Ostalpenraum. Heute gehört diese Rasse zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten, deutschen Schafrassen.

Geschichtliche Entwicklung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam das Steinschaf noch in folgenden Gebieten vor: In Bayern konnte man es hauptsächlich in Berchtesgaden finden, in großen Teilen der Umgebung Traunsteins und südöstlich von Rosenheim (KASPAR 1928). FÜHRER (1911) berichtet, dass das Steinschaf in Salzburg am stärksten vertreten ist und sich noch in Reinzucht im Oberpinzgau und Teilen des restlichen Pinzgaues sowie in den Arltälern, in Geißau und teilweise noch im Tennengebirge hält. In Nord- und Osttirol waren bereits damals alle Steinschafe mit Ausnahme des Gebietes der nördlichen Hänge der Kitzbühler Alpen eingekreuzt und in Kärnten hatte es sich auf den obersten Teil des Mölltals zurückgezogen. In Südtirol war das Steinschaf noch im Obervinschgau, Eisack-, Passeier- und oberen Pustertal beschrieben worden; 1964 war dieser Bestand auf weniger als 1 000 Stück reduziert (MASON 1967).

Zwei neuere wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit der Abstammung der Bergschafrassen beschäftigten, ergaben folgende Schlussfolgerungen: WASSMUTH UND MITARBEITER (2000) stellten mit Hilfe von stichprobenartigen Blutuntersuchungen verschiedener Bergschafrassen fest, dass das Steinschaf trotz unterschiedlicher Einkreuzungen auf das neolithische Torfschaf zurückgeht. Die genetische Differenzierung der Schafrassen im Ostalpenraum untersuchte BAUMUNG (2003) anhand von 25 Microsatelliten-Loci. Das Alpine Steinschaf zeigte deutliche genetische Distanzen zu den drei anderen Rassen der Steinschafgruppe – dem Montafoner-, Krainer- und Tiroler Steinschaf. Alle regionalen Steinschafrassen konnten eindeutig als eigenständige Rassen eingestuft werden.

Aktuelle Zuchtzielbeschreibung

Die Zuchtzielbeschreibung entspricht den alten Rassebeschreibungen. Das Alpine Steinschaf ist ein kleines bis mittelgroßes Schaf. Alle Wollfarben und Farbzeichnung treten auf. Es ist mischwollig mit markhaltigen, langen Grannenhaaren und gewellten, feinen und kürzeren Wollhaaren. Das Kopfprofil ist gerade und das Nasenbein leicht gebogen, die Ohren stehen waagrecht bzw. leicht hängend ab. Die Tiere sind feingliedrig mit sehr harten Klauen. Der überwiegende Teil der Böcke ist gehörnt. Weibliche Tiere zeigen teilweise Hornansätze und sogar Hörner.

Als besondere Leistungen werden aufgeführt: anpassungsfähig an die raue Haltung im Hochgebirge, nutzt für Rinder unzugängliche Hochlagen, robust, genügsam, wetterhart, hohe Milchleistung, asaisonale Brunst, meist zweimalige Lammung je Jahr, frühreif und sehr gute Muttereigenschaften. Für Mutterschafe wird ein Lebendgewicht von 45 – 60 kg, für Altböcke von 60 – 75 kg angestrebt. Häufig ist in Bezug auf die Größe ein Geschlechtsdimorphismus zu beobachten, d.h. die Böcke überragen deutlich die Mutterschafe. Aufgrund seiner Zutraulichkeit ist es gut geeignet für die Haltung in kleinen Beständen.  

Derzeitige Situation

In Bayern begann die Herdbuchzucht mit der Initiative der Züchter Dr. Gerhard Burkl und Christian Haarpaintner, die seit 1985 bei ihren ungezählten Fahrten noch dem ursprünglichen Typ entsprechende Einzeltiere aus Berchtesgaden, Garmisch, Nauders und Weerberg (Tirol) zukauften. Der Autor baute seine Herde 1996 mit den letzten reinrassigen Tieren aus Nauders auf, die von Dr. Reiner Seibold in einer Rettungsaktion nach Bayern gebracht wurden und der Zuchtbetrieb von Josef Aschauer, Ramsau, hatte schon immer Alpine Steinschafe gehalten, die dann 1997 ins Herdbuch eingetragen wurden.

Im Rahmen eines ersten Zusammentreffens von Alpinen Steinschafzüchtern aus Bayern und Österreich am 23. Februar 2000 in Rohrdorf wurde für die Rasse eine einheitliche Rassebeschreibung und -bezeichnung festgelegt. In den folgenden Jahren intensivierte sich der Kontakt unter den Züchtern. Im Rahmen einer Prämierung auf der Glentleiten wurde am 9. Oktober 2004 die Arbeitsgemeinschaft der Alpinen Steinschafzüchter gegründet. Zur Sprecherin wurde Renate Aschauer gewählt.

Die Züchterinnen Renate Aschauer und Nathalie Ketterle erstellten eine Projektidee zur Wollvermarktung. Mit verschiedenen Partnern werden seitdem typische Wollprodukte, wie zum Beispiel Troyer, Zopfjacken und -westen, Mützen, Handschuhe und Socken aus Garn sowie aus Filz Einlagesohlen, Taschen und Rücksäcke hergestellt. Ab 2007 schloss sich Birgit Kessler-Prusko als dritte Steinschafzüchterin dem Wollprojekt aktiv an. Jedes Jahr treffen sich nun die Züchter und Freunde dieser Rasse auf einem Zuchtbetrieb (2005 Josef Aschauer, Ramsau und Günter Jaritz, Unken; 2006 Christian Mendel, Neubeuern, 2007 Birgit Kessler-Prusko, Attel und 2008 Paul Höglmüller, Piesenhausen). Dort werden allgemeine Punkte besprochen, aktuelle Themen vorgestellt, eine Wollsammlung durchgeführt und die jeweiligen Betriebe besichtigt. Auch die österreichischen Züchterkollegen sind regelmäßige und gern gesehene Gäste. Die angelieferte Schweißwolle wird gemeinsam begutachtet, sie ist handverlesen, rein schwarze Wolle wird gesondert sortiert. Im Januar 2008 wurden die Produkte auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin präsentiert. Der Zuchttierbestand an Alpinen Steinschafen liegt in Bayern bei 203 herdbuchmäßig erfassten Mutterschafen und Böcken in 12 Zuchtbetrieben (Stand 1.1.2008). In einem mit verschiedenen Projektpartnern geplanten Almweideprojekt im südöstlich Oberbayern soll diese Rasse unter ihren natürlichen Bedingungen erhalten und gleichzeitig ein Zuchtindex für die „Almtüchtigkeit“ entwickelt werden.

Alpines Steinschaf Bestand 2013


Herdbuch:

Der Gesamtbestand ist im Jahr 2013 auf 68 Böcke und 693 Muttertiere angestiegen.

Die Bewahrung dieser Rasse wird nur gelingen, wenn weitere engagierte Züchter sich für diese ursprüngliche und interessante Rasse interessieren. In Bayern wird das Alpine Steinschaf seit 1991 herdbuchmäßig geführt. Eine wichtige Hilfe hierbei ist die staatliche Erhaltungsprämie in Höhe von 20,- € für jedes im Herdbuch eingetragene Zuchttier. Von allen deutschen Schafrassen dürfte das Alpine Steinschaf die zur Zeit am stärksten bedrohte Rasse sein. Mit der Ernennung zur Rasse des Jahres 2009 durch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen in Deutschland soll diese Rasse auch einem größeren Publikum vorgestellt werden. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite www.alpines-steinschaf.de, die der Züchter Eduard Noe zur Zeit sehr umfassend aufbaut, sowie bei der GEH unter www.g-e-h.de.

 

Gefährdungsgrad:

Kategorie II (stark gefährdet) laut der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen.


Gefährdungskennzahl:

105 GKZ ¹

 

Kontakt

 

Weiterführende Informationen:

¹ GEH-Gefährdungskennzahl GKZ, Ein verbessertes Einstufungsverfahren für den Grad der Gefährdung

Das Alpine Steinschaf (aus: Online-Broschüre Schafe, Ziegen und Gebrauchshunde, GEH, 2008)

Alpines Steinschaf  (TGRDEU - Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)