Girgentana-Deckböcke auf dem Ziegenhof "La Capreta", Foto:Carola Heider-Leporale Girgentana, Foto: B. Milerski Girgentana, Foto: B. Milerski
Foto: Carola Heider-Leporale Foto: B. Milerski  Foto: B. Milerski

 

Herkunft:

Die Girgentanaziege ist eine Milchziegenrasse, die ursprünglich aus Sizilien stammt. Ihre korkenzieherartig nach oben strebenden Hörner weisen auf ihre Abstammung von der Markhor-Wildziege hin (nicht von der Bezoar-Wildziege, wie die in Deutschland heimischen Ziegenrassen).

Kennzeichen:

Die Färbung ist uneinheitlich, es kommen weiße, rot-braune und Mischlinge aus diesen Farbschlägen vor, z.T. mit Sprenkelung am Kopf. Die Kopfform ist konkav, edel, schmal mit kurzen, seitlich aufwärts stehenden Ohren. Die korkenzieherartigen, langen, aufrechten Hörner sind das besondere Kennzeichen der Rasse. Das Fell ist mehr oder weniger langhaarig und glatt, am Kopf kurzhaarig. Der Körperbau ist zierlich, lang und schmal.

Verbreitung:

Die Girgentana-Ziege wird in Italien und in Deutschland gezüchtet.

Im Tierpark Berlin gab es  Anfang der 70er Jahre die ersten Zuchttiere aus dem Zoo Neapel stammend. Später wurden kleinere Zuchtgruppen aus Italien nach Deutschland gebracht, anfänglich in Tierparks (Berlin, Kleve, Warder) aufgrund ihrer besonderen Erscheinung. Die italienische Population ging ab den 1970er Jahren stark zurück und drohte in den 1990er Jahren zu verschwinden. Eine umfassende Bestandserfassung der Stiftung SAVE-Foundation (http://www.save-foundation.net) ergab nur noch rund 200 Zuchttiere. Aufgrund dieser Aktivitäten und einer Vernetzung der Züchter konnte sich die Population leicht erholen und es gelang, neue Zuchtgruppen aufzubauen.  Aufgrund der sehr kleinen Population und Inzuchtproblemen wurden die Tiere oftmals verkreuzt und nicht rein gezüchtet.

Der deutschen Population kommt (trotz Inzuchtproblemen) eine große genetische Bedeutung zu, da bestimmte Linien in Italien inzwischen nicht mehr vorhanden sind. Ein (begrenzter) Tierimport nach Deutschland konnte in 2009 von SAVE-Foundation realisiert werden, ein gegenseitiger Tieraustausch zwischen deutschen und italienischen Herdbuch-Züchtern  ist für 2012 geplant.

Eigenschaften und Leistung:

In einer der Rasse angemessenen Umgebung ist sie eine robuste und leistungsfähige Milchziege mit Fleischnutzung. Sie ist sensibel und hat ein temperamentvolles Wesen.

Milchleistung: 300 bis 500kg Milch bei hohem Fett- und Eiweißgehalt (4,7% / 4,2 %)

Fruchtbarkeit: meist Zwillingslämmer

Maße und Gewichte: Bock 80-90cm / 65-80 kg, Ziege 60-80cm / 40-50kg

Besonderheiten:

Aufgrund der sehr kleinen Ursprungspopulation ist der Bestand durch hohe Inzucht gekennzeichnet mit entsprechenden negativen Erscheinungen (Fruchtbarkeit, Gesundheit, Horn-Deformationen). Durch die oftmals nicht bekannte Abstammung bei den Nicht-Herdbuchtieren werden Verpaarungen eng verwandter Tiere meist unbewusst durchgeführt. Eine bundesweit koordinierte Herdbuchzucht mit Abstammungsdokumentation ist daher von besonderer Bedeutung für die Erhaltung dieser Population.

Aufgrund ihrer sizilianischen Herkunft ist diese Rasse an eine warme und trockene Umgebung angepasst. Starken Frost und feuchte Weiden verträgt sie daher nicht gut, dies ist bei der Haltung unbedingt zu berücksichtigen.

Herdbuch:

In Italien gibt es seit 1973 ein Herdbuch.

In Deutschland wird die Rasse von den Landesziegenzuchtverbänden aufgenommen, aktuell gibt es Herdbuchbestände in Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Nur ein Teil der deutschen Tiere ist bis heute in Herdbüchern, dies wird jedoch von den deutschen Züchtern („Freunde der Girgentanaziege“, s. Kontakt) aktuell stark forciert, um dem Inzuchtproblem entgegenzuwirken.

Gefährdungsgrad:

Kategorie "Rassen aus anderen Ländern" in der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V.

Die Girgentanaziege ist in Italien hoch gefährdet, die Tiere in Deutschland stellen einen wichtigen Teil der Gesamtpopulation dar.

 

Quellen: SAVE-Foundation, Heider-Leporale

 

Kontakt


In Deutschland wird die Vernetzung der deutschen Züchter, eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit sowie Kontakte zu Italien geleistet durch die Freunde der Girgentanaziege (http://www.freunde-der-girgentanaziege.de/), Ansprechpartnerin ist Carola Heider-Leporale.

 

Weiterführende Informationen:

Ein Monitoring und die internationale Vernetzung wurde von der Stiftung SAVE-Foundation initiiert Projektberichte siehe http://www.save-foundation.net/deutsch/projekte.htm.

Girgentanaziege (Zentrale Dokumentation Tiergenetischer Ressourcen in Deutschland)